Wie Sie eine nachhaltige Materialökologie für Ihre nächste Baustelle umsetzen

NACHHALTIGES DENKEN UND HANDELN

Nachhaltiges Denken und Handeln ist kein kurzzeitiger Trend oder eine Marketingstrategie, sondern zukunftsentscheidend. Die Baubranche ist eine der ressourcenintensivsten Branchen und hat einen hohen Einfluss auf den Klimawandel und die Erreichung der gesetzten Ziele des Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung. Darum ist es ganz besonders wichtig, sich mit Themen wie Materialökologie und Kreislaufwirtschaft von Bauprojekten zu beschäftigen und diese konsequent umzusetzen. Wie Sie das schaffen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Was bedeutet ESG? 

In der Immobilen und Baubranche wird in diesem Zusammenhang sehr viel von ESG gesprochen. ESG steht für Environmental, Social & Governance und beschreibt den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen im Bereich des Investierens. Die EU hat im April 2021 konkrete Zielsetzungen für die Branche definiert, um ökologische und soziale Verantwortung allgemein und in der Unternehmensführung zu übernehmen. Diese Regelungen sollen ab 2022 in Kraft treten. 

Der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung

Im November 2016 wurde der Klimaschutzplan 2050 durch die Bundesregierung verabschiedet. Deutschland hält sich damit an das Pariser Abkommen und entwickelte eine Klimaschutzlangfriststrategie. Diese Strategie hat zum Ziel bis 2050 weitestgehend treibhausgasneutral zu werden. Hierdurch soll die globale Erwärmung auf 1,5°C begrenzt werden. 

Im Klimaschutzplan werden konkrete Strategien zur Modernisierung und zum Erreichen des kohlenstoffarmen Wirtschaftens in Deutschland beschrieben.

Hierfür hat die Bundesregierung 3 Ebenen herausgearbeitet: 

  • Leitbilder für die Handlungsfelder wurden definiert
  • Transformative Pfade wurden festgelegt
  • Zwischenziele bis 2030 wurden gesetzt
Materialökologie

Was der Klimaschutzplan 2050 mit Gebäuden und Materialökologie zu tun hat?

Zur Zieldefinition wurden Deutschlands Wirtschaftszweige in Sektoren wie Energiewirtschaft, Industrie, Gebäude, Verkehr und Landwirtschaft unterschieden.

Laut des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gibt es im Sektor Gebäude einen “Fahrplan für einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand. Gebäude sind besonders langlebig, darum müssen hier schon früh die Weichen für 2050 gestellt werden. Bis 2030 sollte die Minderung 66 bis 67 Prozent (gegenüber 1990) betragen. Um das Ziel eines nahezu klimaneutralen Gebäudebestandes bis 2050 zu erreichen, sind sowohl anspruchsvolle Neubaustandards, langfristige Sanierungsstrategien für den Gebäudebestand wie auch die schrittweise Abkehr von fossilen Heizungssystemen Voraussetzung.“ 

Weitere Informationen und Sektorenziele finden sie HIER

Wie hängen Materialökologie, die Baubranche und Nachhaltigkeit zusammen?

Die Produktion an Baustahl und Zement, die zur Errichtung der Gebäude benötigt werden (insg. ca. 15 Milliarden Tonnen), sorgen für einen extrem hohen CO2 Ausstoß. 90% aller in Deutschland verwendeten mineralischen Baustoffe enden im Neu- oder Umbau sowie der Modernisierung von Gebäuden. Global betrachtet wird durch die Zementproduktion weltweit mehr CO2 verursacht als durch die gesamte Luftfahrtindustrie.     Zusätzlich fallen ca. 209 Millionen Tonnen Abfälle aus dem Bau neuer und dem Abbruch alter Gebäude an. Verglichen mit dem gesamten Abfallaufkommens in Deutschland macht die Branche allein 52 % aus. Auch nach der Errichtung sorgen ineffizient geplante Gebäude dafür, dass 40% des Gesamtenergiebedarfs in Deutschlands Haushalten verbraucht wird. 

Nachhaltiges Denken und Handeln ist noch nicht in der Baubranche angekommen!

Das Thema Nachhaltigkeit und effizientes Bauen findet derzeit noch nicht genug Beachtung in den Bau- und Planungsbüros bzw. bei Materialherstellern und Bauunternehmen. Dabei birgt die Verbesserung von Prozessen, die Nutzung intelligenter Technologie und Materialien sowie ein Umdenken bei den planenden und ausführenden Parteien hohes Einsparpotential.

Was können Sie für mehr Materialökologie 

in den Projekten tun?

Materialökologie in der Planung

Mit natürlichem und reduziertem Materialeinsatz planen

Als Architekt kommt Ihnen eine wichtige Aufgabe zu, wenn es um nachhaltige Gebäude geht. Durch einen reduzierten Materialeinsatz und geschickte Detaillösungen haben Sie als Architekt:in einen großen Einfluss auf den Materialeinsatz und die Konstruktion. Natürlich sind Glasfassaden optisch besonders ansprechend, bauphysikalisch gesehen jedoch nicht unbedingt die beste Wahl. Setzen Sie sich doch auch mal mit den Möglichkeiten der passiven Kühlung oder nachhaltigen Materialien wie Holzbau und Lehmbau auseinander.  

Beispiel:     Planen Sie doch einmal in Abstimmung mit dem Bauherrn, TGA Planer, Bauphysiker und Landschaftsarchitekt eine begrünte Fassade zur Nutzung passiver Kühlungseffekte. 

Materialökologie in der Planung

Materialökologie in der Projektsteuerung

Früh beraten, inspirieren und argumentieren

Als Projektsteuer:in oder Bauherrenvertreter:in, haben Sie die Möglichkeit bereits im sehr frühen Projektstadium Einfluss auf den Bauherrn und das geplante Bauprojekt auszuüben. Überzeugen Sie ihn von nachhaltigem Bauen, indem Sie ihn so früh wie möglich auf den Zusammenhang von Baubranche und Klimawandel aufmerksam machen, Ihren Kunden inspirieren und faktenbasiert für nachhaltige Gebäude und kreislaufbasierte Materialverwendung argumentieren.

Beispiel:     Zeigen Ihrem Bauherrn interessante und bereits umgesetzte Projekte. Rechnen Sie, gegebenenfalls durch Fachplaner unterstützt, die energetischen und kostenbezogenen Einsparpotenziale aus. Argumentieren Sie projektabhängig mit anderen positiven Argumenten wie Optik, Wertsteigerung der Immobilie oder Steigerung der Arbeitgeberattraktivität. Des Weiteren können Sie auf zirkulierende Baustoffe und Bauteile sowie die zugehörigen Strategien wie beispielsweise Cradle to Cralde oder die Reduce, Reuse, Recycle verweisen. Wie genau diese Strategien funktionieren, lernen Sie in unserem Kurs zur Materialökologie.

Materialökologie in der Fachplanung und Beratung

 Expertise schafft Vertrauen und neue Möglichkeiten

Als Fachplaner:innen nehmen Sie eine Schlüsselposition zur Umsetzung nachhaltiger Gebäudestrategien ein. Sie gelten in diesem Bereich als Experte und Wissensträger. Versuchen Sie also möglichst auf dem neusten Stand zu bleiben, was neue Technologien und Konstruktionsdetails angeht. Kreative Lösungen, die im Sinne des Bauherrn funktionieren, sind besonders gefragt. 

Besprechen Sie zu Beginn mit dem Architekten und Ihrem Bauherren, wo der Fokus liegt. Ist bei dem Projekt eine besondere Preissensibilität gefordert? Gibt es spezielle Forderungen zur Umsetzung, die sich aufgrund von Nachbarn, Standort oder Umgebung ergeben? Versuchen Sie die technischen Installationen und Anlagen daran anzupassen. Nur durch Ihre Hilfe kann eine konsequente Nachhaltigkeitsstrategie umgesetzt werden. 

Beispiel:     Planen Sie eine Zisterne zur intelligenten Regenwassernutzung, Grau oder Schwarzwassernutzung im Gebäude und mit Photovoltaikanlagen auf dem Dach.

Materialökologie in der Bau- und Projektleitung

Dreh- und Angelpunkt der Umsetzung

Als Bauleiter:in- oder Projektleiter:in kommen Sie meist erst in Spiel, wenn viele strategische oder planerische Themen bereits entschieden wurden. Das bedeutet aber nicht, dass Sie nicht trotzdem etwas für die Nachhaltigkeit auf Ihrer Baustelle tun können. Besondere Wichtigkeit kommt hier natürlich dem Einkauf und der Entsorgung von Baustoffen und Baumaterialien zu. 

Beipiel:     Wenn Sie im Einkauf tätig sind oder auch mal Material beim Baustoffhändler bestellen, achten Sie doch in Zukunft mal auf die verschiedenen Ökolabels, die umweltfreundliche und schadstoff- bzw. emissionsarme Materialien ausweisen. Nutzen Sie Plattformen zur Recherche dieser Labels. Alternativ können Sie auf Plattformen Baustoffe und Bauteile von anderen Bauunternehmen kaufen. Ebenso können Sie zu viel bestellte Materialien anderen Unternehmen auf solchen Plattformen zur Verfügung stellen. 

    Achten Sie außerdem auf die ordnungsgemäße Entsorgung und Trennung Ihrer Baumaterialien. Als Bauleiter oder Projektleiter können Sie dafür sorgen, dass sowohl Baumischabfälle als auch Bauschutt in dafür vorgesehenen Containern landen. Weisen Sie alle auf der Baustelle tätigen Personen auf die Mülltrennung an und kontrollieren Sie diese auch.

Materialökologie auf der Baustelle

Was bedeutet Materialökologie und warum ist diese wichtig?

Im Zusammenhang mit der Beschaffung von Materialien steht der Begriff der Materialökologie. Materialökologie beschreibt die Unbedenklichkeit von Materialien, die in Gebäuden, in denen wir leben und arbeiten, verbaut wurden. 

Da wir mittlerweile ca. 90 %unserer Zeit in Innenräumen verbringen bekommt die Unbedenklichkeit von Baumaterialien eine immer wichtigere Bedeutung. Die Zusammensetzung der Luft in Innenräumen hat Einfluss auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Deshalb ist es wichtig, dass verbaute Materialien und Baustoffe von Gebäuden geruchsneutral aber vor allem emissionsarm sind. Aber auch ein entsprechendes Raumluftkonzept zur Be- und Entlüftung ist zu bedenken.

Ökologische Materialien werden umweltschonend hergestellt und sind recyclebar. Besonders sollte man bei der Auswahl auf deren Langlebigkeit achten. Damit die Materialien recycelt werden können, sollten sie sortenrein trennbar sein. Das bedeutet, dass verklebte Konstruktionen oder Verbundmaterialien nach Möglichkeit zu vermeiden sind. Wird bereits in der Planung, bzw. beim Einkauf auf diese sortenreine Trennung geachtet, können Materialien nach ihrer eigentlichen Verwendungsdauer aufgearbeitet und wiederverwendet werden. So entstehen beispielsweise aus alten Ziegeln neue, aus bereits verwendetem Beton wird Recyclingbeton. 

Damit die verbauten Materialien möglichst langlebig bleiben ist bei der Instandhaltung ist auf einfache und regelmäßige Reinigung sowie das Durchführen von Reparaturen zu achten. 

Je höher die technische Qualität der Konstruktion ist, desto besser. Aufwendige Nachrüstungen wie Schall-, Feuchte- und Wärmeschutz sind nur durch hohen Aufwand zu realisieren und sollten in besten Fall bereits von Anfang an bedacht werden.

Die ressourcenschonende Beschaffung, Herstellung und der Transport sollten bei ökologischen Materialien ebenfalls berücksichtigt werden. Das bedeutet, dass man sich lieber für ein regionales Produkt oder einen nachwachsenden Rohstoff wie beispielsweise Holz als Konstruktionsbaustoff, Hanf als Dämmung oder Lehm als Deckputzschicht entscheidet. 

Natürlich ist nachhaltiges Bauen leider immer auch eine Entscheidung, die individuell durch jeden Bauherrn selbst getroffen werden muss. Bei dieser Entscheidung spielt der Kosten Nutzen Vergleich oft eine große Rolle. Viele Bauherrn sehen zunächst nur einen höheren Kostenaufwand und einen eher kleinen Nutzen. Tatsächlich amortisieren sich jedoch nachhaltig gebaute Gebäude über Ihre Nutzungsdauer, da sie vor allem energetisch effizienter sind und dadurch auch Kosten sparen. Zudem sind nachhaltige Gebäude oft mit einer hohen Behaglichkeit ausgezeichnet, weil besonderer Wert auf das Raumklima gelegt wird. So können beispielsweise Innenraumbegrünungen sowohl optisch als auch klimatisch einen Beitrag leisten.  

Wie kann man nachhaltige Gebäude erkennen? 

Natürlich können alle möglichen Gebäude nachhaltig sein. Vor allem Einfamilienhäuser und privaten Bauherrn legen großen Wert auf die Langlebigkeit der verbauten Materialien und die hohe Energieeffizienz ihrer Häuser. Für große Bauprojekte der öffentlichen Hand oder von Investoren werden häufig Zertifizierungssysteme eingesetzt, um die Nachhaltigkeit des Bauwerks zu bewerten. 

Zertifizierungssysteme stufen verschiedene Materialien und Bauweisen unterschiedlich ein. Die bekanntesten dieser Zertifikate sind 

Wo können Sie noch mehr zum Thema Nachhaltigkeit in der Baubranche erfahren?

Lernen Sie in unserem Kurs mehr über die Reduce, Reuse, Recycle Strategie, das Cradle to Cradle Prinzip und die Ökobilanzierung kennen. Wenn Sie sich noch weiter mit dem Thema Nachhaltigkeit in der Baubranche auseinander setzen möchten, schauen Sie doch einmal in unserer Kursübersicht vorbei.