Wie funktioniert eigentlich Stroh als Dämung?

Im Zusammenhang mit dem nachhaltigen und klimafreundlichen Bauen geraten lang vergessene Baumaterialien wie zum Beispiel Lehm oder Stroh wieder in den Fokus. 

Diese traditionellen Baustoffe punkten vor allem durch Regionalität, eine geringe CO2 Bilanz und ein angenehmes Raumklima.  

Doch was genau gibt es während der Planung oder der Ausführung zu beachten, wenn man Stroh als Dämmstoff verwendet?

Stroh Dämmung

HIGHLIGHTS

Wie wird Stroh zum Dämmmaterial?

Wie brandsicher ist Stroh?

Für welche Gebäude kann Stroh Dämmung eingesetzt werden?

Wie wird Stroh als Dämmung produziert?

Beginnen wir mit der Produktion von Stroh. Stroh gilt als Nebenprodukt der Landwirtschaft und fällt bei der Herstellung von Getreide an. Da vor allem das Korn des Getreides verwendet wird, bleibt der Halm zurück. 

Natürlich benötigen die Landwirt:innen einen gewissen Teil des Strohs als Einstreuung für Ställe oder es verbleibt auf den Feldern. Aktuell ist in Deutschland jedoch so viel Stroh vorhanden, dass das landwirtschaftliche Gleichgewicht nicht in Gefahr ist. 

Stroh ist als ein regional verfügbarer Baustoff, der sehr kurze Transportwege zurücklegen muss. Sowohl in der Herstellung, als auch im Transport ist Stroh also ein sehr emissionsarmer und energieeffizienter Baustoff mit geringer Prozesskette. Zudem wächst Getreide extrem schnell nach und kann demnach jedes Jahr wieder neu “produziert” werden.

Stroh ist ein nachhaltiger und langlebiger Baustoff

Aktuell wird vor allem mit organischen Dämmstoffen wie XPS, EPS und mineralischen Dämmstoffen wie Mineralwolle,  Steinwolle oder Glasfaser gedämmt. Leider ist keines der Materialien wirklich nachhaltig und recyclefähig. 

Stroh hingegen kann nach seiner Nutzung problemlos in den natürlichen Kreislauf überführt werden und verfügt demnach über eine umfassende und positive Ökobilanz.

Übrigens: Strohdämmung wird bei einwandfreier Planung und Umsetzung mit einer Nutzungsdauer von mindestens 50 Jahren bewertet.

Das älteste Haus mit einer Strohballendämmung (Maison Feuilette) in Europa steht in Frankreich und wurde 1921 erbaut. 

Wie wird Stroh zum Dämmmaterial?

Stroh kann unbehandelt und frei von chemischen Zusätzen verwendet werden. 

Besondere Beachtung sollte jedoch dem Thema Feuchte gewidmet werden. Stroh muss unbedingt vor dem Einbau getrocknet werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass das Material anfängt zu schimmeln. Das gilt aber sowohl für natürliche Dämmstoffe, als auch für künstlich hergestellte Baustoffe. 

Anschließend kann es als sogenanntes “Baustroh” in Form von Einblasdämmung, Ballen oder Platten verwendet werden. 

Am häufigsten werden aktuell Strohballen verwendet. Das lose Stroh wird mittels mechanischer Pressen zu Strohballen komprimiert. Besonders wichtig ist hierbei, dass die Halme vertikal zur Dämmdicke ausgerichtet sind, da hierdurch die Wärmeleitfähigkeit beeinflusst wird.

Mittlerweile gibt es bereits einige Unternehmen, die Stroh im Format typischer Dämmmaterialien pressen und so eine Einlage in eine Holzrahmenkonstruktion kein Problem mehr ist. 

Eine Übersicht über die produzierenden Unternehmen von Baustroh finden Sie hier: https://strawbuilding.eu/map-of-straw-bale-producers/ 

Weizenfeld

Wie brandsicher ist Stroh Dämmung?

Häufig wird diskutiert, ob Stroh angewendet werden kann oder Brandschutzrisiken gegeben sind. Zunächst einmal ist zu beachten, dass verdichtetes Stroh wenig Sauerstoff enthält und dadurch die Brandgefahr wesentlich reduziert wird.

Zudem ist das Dämmmaterial einer Konstruktion in der Regel mit nicht brennbaren Materialien wie Lehm, Gips, oder Kalk verkleidet. Die bekleidende Schicht gewährleistet den Brandschutz und schützt das Stroh. 

Seit 2006 ist Stroh durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) als Dämmmaterial anerkannt und seit 2017 durch eine Europäisch Technische Zulassung (ETA) auch auf europäischer Ebene zugelassen. 

Diese kann unter https://baustroh.de/pdf/ETA-017-0247_Baustroh.pdf eingesehen werden.

Stroh ist nach DIN EN 13501 als Baustoff der Klasse E kategorisiert. Die entspricht nach DIN 4102 demnach der Baustoffklasse B2 und gilt als normal entflammbares Material – wie Holz übrigens auch – und kann demnach in Gebäuden bis Gebäudeklasse 4 eingesetzt werden. In Versuchen wurde sogar eine Feuerwiderstandsdauer von bis zu 90 Minuten nachgewiesen.

Welche positiven Eigenschaften hat Stroh?

Stroh ist ein ökologischer Baustoff mit einer hohen Wärmespeicherkapazität, die vergleichbar mit anderen Dämmstoffen ist. Allerdings ist zu beachten, dass zur Erreichung aktueller Wärmedämmstandards eine Mindestdämmdick von 28cm einzuhalten ist. Dämmdicken bis zu 70 cm können realisiert werden. 

Durch den Einsatz einer geeigneten Wärmedämmung können Heizkosten also reduziert werden. In Kombination mit Lehm kann Strohdämmung sogar einen Passivhausstandard erreichen. 

Stroh gilt als diffusionsoffen und erzeugt dadurch ein natürliches Raumklima. Von vielen Menschen wird dies als besonders angenehm empfunden und führt zu einem gesteigerten Wohlbefinden.

Baustroh in Ballenform weist eine Rohdichte von 85 – 115 kg/m³ auf und hat demnach gute schalldämmende Eigenschaften. Je dicker und fester der Ballen gepresst wird, desto besser ist natürlich die schalldämmende Wirkung.

Mit welchen Materialien kann Stroh kombiniert werden?

Stroh wird in der Regel mit den folgenden Materialien kombiniert: 

  • Holz
  • Lehm
  • Kalkputz (v.a. außen) 

Dabei bildet Holz meist die Tragkonstruktion, Lehm wird als Innenwandbekleidung / Putz aufgetragen und Kalk als Außenwandabschluss. 

Um zu Vermeiden, dass Feuchtigkeit oder Tiere in die Konstruktion gelangen sollte sichergestellt sein, dass die Ver-/Bekleidung fugenlos ausgeführt und im Außenbereich vor Witterungseinflüssen und Niederschlag geschützt ist. 

Auch Hohlräume sollten vermieden werden. Wir empfehlen zur Vermeidung von Schimmel innerhalb einer Konstruktion einen Bauphysiker zu Rate zu ziehen und die geplante Konstruktion und dessen Taupunkt berechnen zu lassen. 

An der Fassade kann dies mittels eines hinterlüfteten konstruktiver Wetterschutzes oder durch einen feuchteresistenter Außenputz mit wasserabweisender Beschichtung erfolgen. 

Im Innenbereich wird häufig Lehmputz eingesetzt. Dieser wird mittels Spritztechnik aufgetragen. 

Achtung: 

Lehmputz ist aufgrund seiner häufig aufwendigen Verarbeitungsmethode zeit- und kostenintensiver als Plattenmaterialien. Außerdem sollte die Verputzung möglichst schnell erfolgen, um das einnisten von Tieren in der Konstruktion zu vermeiden. 

Eine kurze Anleitung zum Aufbau einer Wand mit Strohdämmung sehen Sie hier:

Für welche Gebäude kann Strohdämmung verwendet werden?

Strohdämmung wird aktuell vor allem für den Bau von Einfamilienhäusern verwendet, kann aber durchaus auch für andere Gebäudearten eingesetzte werden. Wie bereits erwähnt, ist ein Einsatz von Strohdämmung bis Gebäudeklasse 4 durchaus möglich. 

So wurden bereits Hotels, Schwimmbäder, Mehrfamilienhäuser und Kindergärten oder Mixed Use Gebäude mit Strohballendämmung realisiert. 

Eine Übersicht über alle in Europa umgesetzten Gebäude finden Sie hier: 

https://strawbuilding.eu/strawbale-houses-europe/ 

  

Wo gibt es noch mehr Informationen?

Wenn Sie noch weitere Informationen rund um nachhaltige Technologien und Produkte erhalten wollen, empfehlen wir Ihnen auch unseren Kurs “Nachhaltige Produkte und Technologien.

Nachhaltiges Planen und Bauen